Unscharf ist nicht gleich Unscharf: Bokeh

Was ist Bokeh und woher stammt dieses Wort?

Bokeh ist ein aus Japan stammender Begriff, welcher Dunst oder Demenz bedeutet. Man vermutet, dass der Begriff eine Verenglischung eines japanischen Wortes ist. Das Wort an sich ist hier zu Lande aber relativ neu. In Japan wird er dabei schon den technischen Aspekten eines Objektives in Fachzeitschriften gleichgesetzt. In der Fotografie meint Bokeh den Unschärfebereich, der außerhalb der Schärfezone abgebildet ist. Es bezeichnet also den Bereich des Fotos, welcher nicht im Fokus steht. Mit Bokeh meint man somit die ästhetische Qualität der Unschärfe, welche eine subjektive Wahrnehmung ist.

Dabei unterscheiden sich die Unschärfebereiche der Objektive stark. Dabei ähneln sich die Eigenschaften der Objektive im Schärfebereich jedoch meist sehr. Eine Ebene auf einem Foto wird scharf gestellt. Bei Personen sind dies meist die Augen.
Bei Bokeh verschwimmt der Hintergrund stimmungsvoll und harmonisch. Besonders wichtig ist dieser Effekt bei der Portraitfotografie, der Food-fotografie und bei Mode und Fashion Fotos.

Auch im künstlerischen Bereich oder bei Nahaufnahmen zaubert Bokeh eine emotionale Wirkung, die sich sehr harmonisch ausdrückt. Durch den Effekt erzielt man, dass sich das Hauptmotiv vom Hintergrund abhebt und isoliert. Das Auge lenkt den Blick so direkt zum Hauptmotiv.

Wie entsteht Bokeh?

Bokeh entsteht durch die unterschiedlichen Objektive, welche den Unschärfebereich abbilden. Doch wie genau entsteht diese unscharfe Abbildung? Die Lichtstrahlen treffen auf das abzubildende Motiv, welches das Licht reflektiert. Von diesen reflektierten Lichtstrahlen kommen einige auf der Frontlinse des Objektives an und reflektieren weiter auf die Blendenöffnung. Dieses Strahlenbündel, welches die Blende verlässt, wird im Objektiv zu einem Punkt fokussiert. Bei Scharfstellung auf das Motiv, liegt der Punkt dann auf der Sensoroberfläche, wodurch ein scharfes Bild entsteht. Ein unscharfes Bild entsteht, wenn sich Strahlen vor und hinter der eingestellten Entfernung vor und hinter der Sensorebene vereinigen. Auf dem Sensor verteilt sich das Licht dann zu einem blassen Scheibchen. Punkte oder Formen außerhalb des Schärfebereiches werden nicht als solche abgebildet, sondern als kleine Scheiben. Man nennt diese Kreise dann Unschärfekreise, welcher umso größer wird, desto weiter der Punkt von der Schärfeebene entfernt ist. Die Form dieses Scheibchens entspricht hierbei der Form der Blendenöffnung. Es gibt dabei viele Scheibchen, welche einen Unschärfekreis erzeugen und somit durch Überlagerungen ein unscharfes Bild entstehen lassen. Die Unschärfekreise sind daher in den meisten Fällen gar nicht mehr als solche zu erkennen. In wenigen Fällen entsteht ein sehr heller Punkt vor einem dunklen Hintergrund, sodass sich dieser durch die Abhebung erkennbar macht. Dies ist oft der Fall bei Seen im Abendlicht oder bei Nachtaufnahmen. Spricht man von dem Begriff „Bokeh“, so meint man diese Unschärfekreise und die Abbildung der unscharfen Bildbereiche. Für den Begriff gibt es dabei keinen numerischen Wert, an dem man Bokeh messen kann. Man misst nach ästhetischem Empfinden, ob das Bokeh gut oder schlecht ist.

Welche Objektive sind geeignet für Bokeh?

Moderne Objektive bestehen aus mehreren Linsen, bei denen große Liniendurchmesser gewählt werden sollten. Ansonsten kann es passieren, dass die Randstrahlen abgeschattet werden. Die Zusammensetzung aus Bokeh bildet sich aus der Blendenform und der optischen Korrektur des Objektives. Da Unschärfe nicht gleich Unschärfe ist, lassen sich durch verschiedene Objektive unterschiedliche Unschärfebereiche abbilden. Dabei lassen sich durch eine Blende mit siebeneckiger Öffnung, siebeneckige Unschärfekreise erstellen. Ein Objektiv mit kreisrunder Blendenöffnung eignet sich besser für ein schönes Bokeh. Die Unschärfekreise also die Scheibchen sind nicht immer Kreise, sondern besitzen die Form der Blende. Diese ist meist ein Vieleck, also ein Sechseck oder ein Achteck. Bei alten Objektiven, wie den Spiegellinsenobjektiven aus den 80er Jahren, werden bei länglichen Motiven im unscharfen Bereich, zwei gegeneinander verschobene Bilder erzeugt. Diese wirkt dann sehr störend auf unser Auge. Nicht nur dies ist eine Störung des Bokeh, auch Objektive mit einer Vignettierung können die Ursache für eine Störung sein. Die Punkte außerhalb des Schärfebereiches werden vergrößert abgebildet. Bei Objektiven, welche eine hohe Anfangslichtstärke aufweisen, eignen sich für Aufnahmen mit selektiver Schärfe.
Also was ist entscheidend bei dem Objektiv Kauf? Die meisten Fotobegeisterten interessieren sich für die Abbildungseigenschaften in der Schärfezone im Vordergrund. Aber auch die Abbildungseigenschaften der Unschärfezone dürfen nicht vernachlässigt werden, denn sie sind fast genauso wichtig.

Ein weiterer Faktor: Die Brennweite

Das Objektiv ist das Auge der Kamera. Die Brennweite ist hierbei das Zoom am Objektiv, also der Abstand zwischen der Hauptebene der optischen Linse und dem Fokus, dem Brennpunkt. Desto größer die Brennweite ist, desto kleiner wird der Blickwinkel und resultierend der Bildausschnitt. Die Brennweite wird in Millimeter angegeben. Ein 50mm Objektiv wird als Normalobjektiv bezeichnet, da es dem Blickwinkel unseres Auges entspricht, also 46 Grad. Alle Objektive darunter nennen sich Weitwinkelobjektive, mit denen man beispielsweise Landschaften fotografieren kann. Alle Objektive über 50 mm nennen sich Teleobjektive, welche für Nahaufnahmen geeignet sind. Beide entsprechen nicht der menschlichen Sehweise und können damit einen speziellen Effekt hervorrufen. Die Brennweite verändert bei gleicher Position des Fotografen nur den Bildwinkel und die Perspektive. Welche Brennweite benötigt wird hängt allein vom Motiv ab. Hat ein Motiv somit mehr Brennweite, vom gleichen Standort fotografiert, so ist die Schärfeebene im Bild reduziert. Dabei entstehen große Brennweiten durch flache und schwach gekrümmte Oberflächen und kleine Brennweiten durch starke Krümmungen. Im Bereich der Fotografie wird der Bildwinkel durch die Brennweite des Objektives zusammen mit dem Aufnahmeformat bestimmt.

Bokeh als Gestaltungsmittel

Bei der Gestaltung wird dieser Effekt besonders gerne mit einem natürlichem Bokeh genutzt. Das heißt, dass bei der Aufnahme des Fotos der Hintergrund mit einbezogen wird. Auch Motive im Vordergrund können für das Bokeh genutzt werden. Bei einem künstlichen Bokeh werden Hintergrund und Motiv separat fotografiert. Hier werden die Fotos des Motives für den Vordergrund meist im Studio aufgenommen und werden daraufhin freigestellt. Danach wird das freigestellte Motiv auf den Bokeh Effekt gelegt. Dies sieht in manchen Fällen jedoch künstlich aus und muss durch viel Bildbearbeitung nachgebessert werden. Freigestellt werden kann mittels Photoshop, dem RAW-Konverter oder während des Shootings durch Kameraeinstellungen. Dabei muss der Hintergrund möglichst weiß sein.
Durch das Verschwimmen des Hintergrundes wird das Motiv in den Vordergrund gestellt. Der Kontrast zwischen weichem Hintergrund und harten Vordergrund ist hierbei sehr stark. Die Blickführung wird dann auf das Motiv geführt. Besonders im kommerziellen Bereich kann man mit diesem Effekt erfolgreich das Produkt vermarkten. Bei der Portraitfotografie liegt der Fokus auf dem Gesicht. Bei der Modefotografie dagegen auf der dargestellten Kleidung. So kann ganz verschieden mit dem Bokeh Effekt gearbeitet werden. Für mehr Gestaltungsvarianten kann man auch eine Blende selber basteln. So schneidet man einfach aus einer Pappe eine Form aus und legt die Schablone dann vor das Objektiv. Hiermit kann man dann beispielsweise Herzen oder Sterne als Bokeh Effekt verwenden.

Was gutes vom schlechtem Bokeh abhebt

Vorallem bei hellen Objekten in Vordergrund und Hintergrund kann man die Qualität des Bokeh gut sichten.
Optimal ist das Bokeh, wenn die Unschärfe weich und gleichmäßig verläuft. An den Rändern dürfen hier Linien nicht doppelt verlaufen und sich keine Farbsäume zeigen. Die Spitzlichter sind hierbei rund und ohne scharf abgegrenzte Ränder.
Gutes Bokeh ist, wenn der Unschärfe ebenfalls weich und gleichmässig verläuft, sich aber kleine Farbsäume zeigen. Hier sind Linien auch nicht doppelt sichtbar und Spitzlichter nur leicht polygonal.
Beim schlechtem Bokeh wirkt der Unschärfebereich unruhig und unangenehm für das Auge. Im Hintergrund erscheinen verdoppelt Kanten, die gut sichtbar sind. Diese stören das Bild dann. Im Hintergrund sind Farbsäume sichtbar, die durch Kontraste zustande kommen. Auch Farbverschiebungen und Spitzlicher mit markanten Kanten zerstören das Bild.
Für die Bereiche der Portraitfotografie, Nachtaufnahmen und der Available-Light-Fotografie ist Bokeh sehr bedeutsam. Von nicht ganz so hoher Bedeutung ist sie bei Fotos von Objekten ohne Tiefenausdehnung, Weitwinkelobjektiven, sowie Bilder mit hellem Hintergrund.
Ein schlechtes Bokeh bemerkt der Betrachter, wenn ihn das Foto unruhig macht und seine Augen somit nicht mit dem Bild harmonieren. Der Betrachter weiß oft nicht, woran das liegt, wogegen ein Experte diese Probleme schnell erkennen kann

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